Meine Stammzellspende

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Steven Finzelberg berichtet in einem Interview über seine Stammzellspende.

Wann haben Sie sich dazu entschlossen, sich in die weltweite Spenderdatei aufnehmen zu lassen und wie sind Sie zum ersten Mal mit dem Verein für Knochenmark- und Stammzellspenden e. V. in Berührung gekommen?
2009 ließ ich mich in meiner damaligen Schule an einem „Tag der offenen Tür“ mittels Blutabnahme registrieren. Ich hatte mich in einer ausliegenden Broschüre des VKS belesen und mich dadurch spontan zur Typisierung entschieden. Einige Wochen später erhielt ich den Mitgliedsausweis, was vorerst der letzte Kontakt sein sollte. „Erst“ im Mai 2014, sechs Jahre später, wurde ich telefonisch über meinen genetischen Zwilling informiert, für den ich als Spender infrage kommen sollte.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie den Anruf vom VKS bekommen haben, mit dem Ihnen mitgeteilt wurde, dass Sie einem Leukämiepatienten das Leben retten können?
Im ersten Moment habe ich mich riesig über die Nachricht gefreut. Danach habe ich mich gefragt, wie es weitergeht, verbunden mit der Hoffnung auf eine erfolgreiche Spende.

Wie reagierten Ihre Freunde und Verwandten auf die Nachricht, dass Sie spenden dürfen?
Ich war mir anfangs nicht sicher, ob und mit wem ich darüber reden sollte und ob man so etwas publik macht. Später habe ich festgestellt, dass es fahrlässig wäre, meine Erfahrungen nicht zu teilen. Oft bin ich in Gespräche auf Bewunderung, Anerkennung und Stolz getroffen. Vor allem wurde aber das Interesse über das Verfahren der Stammzelltransplantation, die Voruntersuchung und die Mobilisierung in jedem Gespräch deutlich. Dabei habe ich festgestellt, dass die Allgemeinkenntnis zur Stammzellspende oftmals Lücken aufweist. Sicher ist, dass sich Unkenntnis nicht negativ auf die Entscheidung zur Registrierung auswirkt, aber eben keinesfalls positiv!

Wie ging es dann für Sie weiter?
Als Erstes stand eine Blutabnahme bei meinem Hausarzt auf dem Programm und nach einigen Monaten eine Voruntersuchung in der Uniklinik Dresden. Dort wurde ich von Kopf bis Fuß untersucht, um eine Freigabe zur Spende zu erhalten. Nachdem diese erteilt wurde, wurde auch der Termin für die Spende vereinbart. Aufgrund des gesundheitlichen Zustandes des Patienten wurde meine Spende allerdings verschoben. Anfang des Jahres bekam ich dann den Anruf mit dem neu festgelegten Zeitraum. Weil nach der ursprünglichen Voruntersuchung mehr als sechs Monate vergangen sind, musste diese erneuert werden. Zwei Wochen später begann dann die Mobilisierung der Stammzellen in meinem Blut mittels Injektionen von Granocyte. Das Prozedere begann vier Tage vor der Spende.

Wie haben Sie die Tage vor Ihrer Stammzellspende erlebt?
Ich kann nicht sagen, dass ich angespannt war. Vielmehr wuchs die Hoffnung auf den Erfolg der Spende. Die Spritzen waren dabei nebensächlich.

Und was denken Sie jetzt danach – würden Sie es wieder tun?
Ich betrachte die Spende nicht als besonderen Dienst. Vielmehr stellt es für mich eine Selbstverständlichkeit dar, welche man trotz allem nicht einfach von jedem erwarten sollte. Ich würde die Spende jederzeit wiederholen.

Haben Sie vor, Ihren „genetischen Zwilling“ nach Ablauf der gesetzlich festgelegten Wartezeit von zwei Jahren kennenzulernen?
Das werde ich zu gegebener Zeit auf jeden Fall in Erwägung ziehen. Ich gehe davon aus, dass die innere Neugier siegen wird.

Zum Abschluss – was geben Sie anderen mit Ihrer Erfahrung auf den Weg?
Ich kann nur sagen, dass es ein tolles Gefühl ist, einem Menschen durch Glück und Zufall zu helfen. Niemand muss Angst oder Bedenken bei dieser Spende haben.

„Nach ‚lieben‘ ist ‚helfen‘ das schönste Zweitwort der Welt.“ Bertha von Suttner

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