Meine Stammzellspende

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Wenn der Postmann Wattestäbchen dabei hat . . .

Sabine Uhlmann im Interview zu ihrem Spendeerlebnis

Sabine Uhlmann, die bereits für einen Leukämiepatienten ihre Stammzellen spendete, beantwortete uns spannende Fragen zu ihren Erfahrungen von der Typisierung bis zur Spende.

Sabine, wie war das eigentlich? Wann hast Du Dich dazu entschlossen, Dich in die weltweite Spenderkartei aufnehmen zu lassen und wie bist Du zum ersten Mal mit dem Verein für Knochenmarkspenden Sachsen e. V. in Berührung gekommen?

Ein Bericht im Fernsehen und ein Aufruf bei Facebook brachten mich auf die Idee, mich beim VKS registrieren zu lassen. Da es ein sächsischer Verein ist und ich aus Flöha komme, gab es für mich keine Minute des Zögerns. Kaum hatte ich mir über die Homepage des Vereins ein Typisierungsset bestellt, kamen auch schon zwei überdimensionale Wattestäbchen für den Wangenschleimhautabstrich sowie eine Einverständniserklärung mit der Post ins Haus. Dann schnell die Wattestäbchen an den Innenseiten der Wangen gerieben, in den Rücksendeumschlag gesteckt und an das VKS-Team geschickt. So wurde ich registriert.


Das war im Frühjahr – also ist noch nicht allzu viel Zeit vergangen. Wie hast Du Dich gefühlt, als Du den Anruf von uns bekommen hast, mit dem wir Dir mitgeteilt haben, dass Du einem Leukämie-Patienten das Leben retten kannst?

Ja, schon vier Monate nach meiner Typisierung klingelte das Telefon: „Frau Uhlmann, jemand braucht Ihre Hilfe.“ Als der Anruf von einer sehr lieben und freundlichen Mitarbeiterin kam, fiel ich aus allen Wolken und mir schossen tausend Dinge durch den Kopf. Welche Person wird das sein, die meine Hilfe benötigt? Ein Baby, eine junge Mama, ein Teenager oder ein Mann, der voll im Leben steht? Wie wird die Spende verlaufen, tut es weh und was wird mein Arbeitgeber dazu sagen? Gibt es Nebenwirkungen oder Spätfolgen? Zum Glück war das VKS-Team immer für mich da, sodass mir stets ein kompetenter und herzlicher Mitarbeiter alle Fragen fast zu jeder Zeit und fast jeden Tag beantwortet hat. Es gibt wirklich keinen Grund Angst zu haben.

 

Wie reagierten Deine Freunde und Verwandten auf die Nachricht, dass Sie spenden können?

Meine Freunde und Bekannten haben erst skeptisch, aber dann sehr positiv, teils sogar mit Tränen reagiert: "Du bist ja dann ein Lebensretter!" Und Recht hatten sie, wobei ich das zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht zu 100 % realisiert hatte.

 

Wie ging es dann für Dich weiter?

Los ging es mit einer Blutabnahme beim Hausarzt, damit die sogenannte Verträglichkeitstestung durchgeführt werden konnte. Außerdem gab es nochmal einen Fragebogen, ähnlich wie bei der Blutspende, um meinen Gesundheitszustand vorab zu prüfen. Das mündete dann schlussendlich im alles entscheidenden Voruntersuchungstermin im Uniklinikum in Dresden, bei dem untersucht wurde, ob ich tatsächlich spenden darf. Und siehe da – circa zwei Wochen später durfte ich spenden.

 

Hattest Du Unannehmlichkeiten dadurch?

Absolut nicht. Es ist wirklich erwähnenswert, dass ich die ganze Zeit weder Kosten noch sonstige Aufwendungen hat. Der Fragebogen wurde mir inklusive eines frankierten Rückumschlages zugeschickt, mir wurden Fahrtkosten erstattet und zum Untersuchungstermin konnte ich ein Taxi nutzen. Außerdem braucht man keine Angst vor den Arbeitsausfällen während der Voruntersuchung und des Spendetages zu haben, denn bei einer Freistellung vom Arbeitgeber, kann dieser die Ausfallzeit sogar dem VKS in Rechnung stellen, sodass niemand Verluste hat.

 

Wie hast Du die Tage vor Deiner Stammzellspende erlebt?

Die vier Tage vor dem Spendetermin waren ziemlich aufregend. Um meine Stammzellen für die Spende zu mobilisieren, kam früh und abends der Pflegedienst der Volkssolidarität und gab mir eine Spritze. Dank des Zwickens im Rücken, das die Spritze bewirkte, wurde ich immer mal daran erinnert, dass es bald losgeht.

 

Und was denkst Du jetzt danach – würdest Du es wieder tun?

Am Morgen der Spende war ich kaum aufgeregt, denn die Ärzte und Mitarbeiter des VKS hatten mich vorher gut aufgeklärt und mir somit die Angst genommen. Ich habe mich richtig entschieden und freute mich, dass es endlich losgehen konnte. Als sich dann währen der Spende der kleine durchsichtige Beutel mit meinen Stammzellen füllte, kamen mir die Tränen, denn da wurde mir klar, dass ich gerade jemandem das Leben rette. Das war ein absolut unbeschreibliches Gefühl für mich.

 

Hast Du vor, Deinen „genetischen Zwilling“ nach Ablauf der gesetzlich festgelegten Wartezeit von zwei Jahren kennenzulernen?

Ja. Ich werde sicherlich mithilfe des VKS versuchen, meinen „genetischen Zwilling“ kennenzulernen – die Person, der ich das Leben retten konnte und die nun auf einzigartige Weise mit mir verbunden ist.

 

Zum Abschluss - was gibst Du anderen mit Ihrer Erfahrung auf den Weg?

In einer so schnelllebigen Zeit wie heute sollte man auf jeden Fall mal nach links oder rechts schauen, denn es könnte jeden Tag auch jemanden treffen, der einem selbst sehr nahe steht. In so einem Fall kann man froh sein, dass es Menschen gab, die den Mut und die Courage hatten, sich registrieren zu lassen, um anderen das Leben zu retten.

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