Meine Stammzellspende

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"Ich würde jederzeit wieder Knochenmark spenden."

Ronny Grunert steht Rede und Antwort zu seiner Knochenmarkspende.

Wann haben Sie sich dazu entschlossen, sich in die weltweite Spenderdatei aufnehmen zu lassen und wie sind Sie zum ersten Mal mit dem Verein für Knochenmark- und Stammzellspenden e. V. in Berührung gekommen?

2014 wollte ich mich als Knochenmarkspender registrieren lassen und habe mich über die deutschen Vereine informiert. Als gebürtiger Sachse ist für mich der Lokalpatriotismus wichtig. Daher habe ich auch gezielt  nach Vereinen in unserer Region gesucht und bin schnell auf die Internetseite des VKS gestoßen. Die Typisierung war ganz einfach. Ich erhielt per Post die Stäbchen für die Speichelprobe. Bereits ein Jahr später wurde ich informiert, dass ich als Spender für jemanden in Frage komme.

 

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie den Anruf vom VKS bekommen haben, mit dem Ihnen mitgeteilt wurde, dass Sie einem Leukämiepatienten das Leben retten können?

Ich habe sofort das Gefühl der Verantwortung gespürt und alle Hebel in Bewegung gesetzt, dass die nächsten erforderlichen Schritte umgehend eingeleitet werden, um keine Zeit zu verlieren. Ich ließ mir am Wochenende von einer Nachbarin, die Arzthelferin ist, das Blut für die detaillierte Analyse entnehmen und verschickte es an die Labore nach Berlin und Leipzig. Aufgrund des derzeitigen Poststreiks telefonierte ich nach, um sicher zu gehen, dass die Pakete ordnungsgemäß angekommen sind.

 

Wie reagierten Ihre Freunde und Verwandten auf die Nachricht, dass Sie spenden dürfen?

Mir wurde viel Respekt und Anerkennung entgegengebracht. Ich habe nur erwidert, dass es mit so einer Spende sehr einfach für jeden ist, selbst aktiv zu werden und Leben zu retten. Meine Frau war auch sehr stolz darauf und hat mich durch den ganzen Prozess begleitet und dabei unterstützt. Auch sie ist in der Knochenmarkspenderdatei registriert.

 

Wie ging es dann für Sie weiter?

Nachdem ich die Nachricht erhielt, dass die Blutmerkmale sogar zu 100% mit der Empfängerin übereinstimmten, fand wenige Tage später die umfangreiche Voruntersuchung an der Universitätsklinik Leipzig statt. Da ich sonst eher selten beim Arzt bin, war dies gleich eine gute Möglichkeit, den eigenen Gesundheitszustand überprüfen zu lassen.

Was mir sehr gut gefallen hat, war die Begleitung am Untersuchungstag durch eine für den VKS arbeitende ehemalige Leukämiepatientin, die auch über Ihre eigenen Erfahrungen aus Patientensicht berichtete und dafür sorgte, dass ich bei den Untersuchungen nicht lange warten musste.

Ein Tag vor der OP bezog ich mein Zimmer auf der Station. An diesem Abend hatte ich sogar Ausgang und genoss die Zeit beim Italiener am Markkleeberger See bei Sonnenschein mit einem befreundeten Orthopäden der Uniklinik Leipzig.

Am Tag der Knochenmarkspende hatte ich die Pole-Position im OP, sodass ich noch am Vormittag zurück auf der Station war. Erfreulicherweise konnte ich bereits am Nachmittag aufstehen, aktivierte den Kreislauf beim Spaziergang durch die Station und genoss einen Cappuccino und ein Stück Schwarzwälder Torte in der Cafeteria der Leipziger Universitätsklinik mit einer Mitarbeiterin des VKS.

Nach der OP hatte ich keinerlei Schmerzmittel benötigt und konnte die Klinik am darauf folgenden Tag verlassen.

 

Wie haben Sie die Tage vor Ihrer Stammzellspende erlebt?

Ich war mir der Verantwortung bewusst und setzte alles daran, mir in den nächsten Tagen keinen Infekt oder eine Erkältung einzufangen, damit die OP nicht verschoben werden muss und die Patientin rechtzeitig das Knochenmark erhält.

 

Und was denken Sie jetzt danach – würden Sie es wieder tun?

Ich würde jederzeit wieder Knochenmark spenden. Durch die  drei Tage auf der Station hatte ich auch direkten Kontakt mit Patienten. Dadurch wird einem sehr deutlich vor Augen gehalten, auf welche Dinge es eigentlich im Leben ankommt.

 

Haben Sie vor, Ihren „genetischen Zwilling“ nach Ablauf der gesetzlich festgelegten Wartezeit von zwei Jahren kennenzulernen?

Bereits eine Woche nach der Spende habe ich eine sehr berührende Karte von meinem „genetischen Zwilling“ erhalten, der mich gerne nach den zwei Jahren persönlich kennenlernen möchte. Jetzt stehen wir zum Glück in Briefkontakt und ich hoffe sehr, dass die Zellen schnellstmöglich ihre Funktion aufnehmen.

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