Meine Stammzellspende

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Doreen Seifert berichtet über ihre Stammzellspende

Registriert habe ich mich am 26.10.1999 bei einer Blutspendenaktion. In unserer Region hat man einen passenden Spender für einen kleinen Jungen gesucht. Ich habe ehrlich gesagt überhaupt nicht überlegt und mich gleich registrieren lassen. Damals wurde noch ein wenig Blut abgenommen, aber ich war ja eh gerade am richtigen Ort dafür. Ein wenig später habe ich meinen Spenderausweis bekommen und dann war auch erstmal Ruhe. 2001 wurde ich dann vom Verein für Knochenmarkspenden Sachsen e. V. (VKS) angeschrieben. Ich war in der engeren Spenderauswahl für einen Leukämiepatienten!

Nach der Feintypisierung hörte ich allerdings erstmal nichts mehr vom VKS und wusste daher, dass ich wohl nicht der geeignete Spender war. In der Zwischenzeit bin ich dann aus Sachsen weg nach Berlin gezogen. Viel später - am 24.10.2014, also fast auf den Tag genau 15 Jahre nach meiner Typisierung, hatte ich Post vom VKS im Briefkasten. Ich war wieder in der engeren Wahl für einen Patienten und wurde um schnellstmöglichen Rückruf gebeten. Gesagt, getan . . .

Schnell habe ich mit Frau Uhlig, Mitarbeiterin des VKS, zwei mögliche Termine für die Voruntersuchung in der Stem Cell Facility der Charité Berlin rausgesucht. Außerdem klärte sie mich darüber auf, was alles auf mich zukommen wird. Ich hatte mich aber schon gut belesen und daher war es diesbezüglich ein relativ kurzes Gespräch. Nächste Hürde: meine Arbeitgeberin. Würde sie mir freigeben? Diese kurzfristige Sorge war allerdings mehr als unbegründet.

Knapp 14 Tage später konnte ich also zur Voruntersuchung in die Charité. Dort wurden ein paar Röhrchen Blut abgenommen und dann ab zur Sonographie. Niere, Bauchspeicheldrüse, Milz und einfach alles von Kopf bis Fuß wurde durchgecheckt. Danach folgte noch ein Arztgespräch. Dabei wurde nochmal die bevorstehende Spende durchgesprochen und der Spritzenplan erklärt. Fragen hatte ich sehr wenige und daher fiel das Gespräch auch relativ kurz aus. Dann wurde mir allerdings doch ein wenig mulmig. Ich sollte mich selbst spritzen – jetzt und sofort – zum Testen. Das klappte aber mit der Anleitung der Schwester super. Ein paar Tage nach der Voruntersuchung wurde mir schriftlich bestätigt, dass ich körperlich fit bin und ich wirklich spenden darf.

14 Tage nach der Voruntersuchung und vier Tage vor der Spende sollte ich beginnen, mich alle 12 Stunden zu spritzen. Am 6.12.2014 früh die erste Spritze und am 10.12. abends die Letzte. Am 11.12.2014 dann der Tag der Spende. Ich war sehr aufgeregt. Ein Taxi holte mich pünktlich 7 Uhr ab und dann ging es quer durch Berlin in die Charité. Dort angekommen noch ein paar Mal fix auf die Toilette (man sollte ordentlich und viel trinken vorher), noch ein kurzes Gespräch mit dem Arzt und dann ging es los! 09:08 Uhr hing ich dann am Apparat und um 14:15 Uhr wurde ich wieder abgestöpselt. Die Zeit vertrieb ich mir mit Fernsehen. Aber ich gebe zu, meine Rücken war wirklich froh wieder in die Senkrechte zu kommen.

Anschließend bin ich noch etwas essen gegangen und dann hieß es auf die Laborwerte warten und die Antwort auf die Frage, ob die Stammzellen reichen oder ob man am nächsten Tag nochmal ran muss. Der Arzt meinte, es sähe so aus, als würde es nicht reichen und schickte mich zur Sicherheit mit einer letzten Spritze im Gepäck nach Hause. Dort sollte ich auf einen Anruf, der mir Klarheit bringen sollte, warten. Es hatte gereicht.

 

Frau Uhlig hat mir noch am Tag vor der Spende (es herrschte immer und jederzeit reger Kontakt zwischen mir und dem VKS) gesagt, dass es auch zusätzlich die Möglichkeit gibt, dem Empfänger nicht nur die Stammzellen, sondern auch eine Postkarte oder einen Brief zukommen zu lassen. Diese Chance habe ich natürlich genutzt. Ich hoffe sehr, dass mein Patient die Karte erhalten hat.

Ja und jetzt – heißt es warten. Nach 12 Wochen kann ich mich erkundigen, wie es meiner Patientin geht und ob sie die Transplantation gut überstanden hat. Und meine Gefühle dabei? Es ist berauschend zu wissen, dass ich eine „Zwillingsschwester“ habe und ich habe Angst, dass ich sie vielleicht niemals kennenlernen darf. Ich fühle mich wirklich geehrt an diesem Projekt ihr Leben zu retten beteiligt gewesen zu sein. Vor Kurzem habe ich einen tollen Satz gelesen, der es auf den Punkt bringt: „Ich hatte vorher ein gutes Leben, jetzt habe ich ein Besseres.“

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