Meine Stammzellspende

Menu

"Lebensretter in 4 Stunden - und DU kannst das auch!"

André Beuthner - von der Typisierung bis zur Stammzellspende

Mit diesem Bericht möchte ich euch meine Erfahrung als Lebensretter nahe bringen. Doch zu Beginn muss man das Wort Lebensretter etwas relativieren. Es stimmt zwar, dass man mit seiner Stammzellenspende Leben retten kann, doch als großer Held und Retter feiern sich, so glaube ich, die wenigsten. Denn es geht darum, für andere Menschen da zu sein und schwer kranken Patienten wieder die Hoffnung auf Leben zu geben. Wichtig ist mir, dass mit meinem Bericht zum Ausdruck kommt: Jeder kann dieser Lebensretter werden. Vorausgesetzt natürlich man lässt sich als Stammzellspender registrieren.

 

Bei mir ging das im letzten Jahr von der Typisierung bis zur Spende ratzfatz.

Ich muss gestehen, dass ich mich mit dem Thema Typisierung bis zum Frühjahr letzten Jahres noch nie intensiv beschäftigt hatte. Das wird wohl den meisten so gehen. Dann war da der Fall von der kleinen Lynn aus Großrückerswalde in den Medien, was in der Nähe meines Wohnortes Annaberg-Buchholz liegt. Lynn war zu diesem Zeitpunkt 9 Jahre jung und erhielt wiederholt die Diagnose Blutkrebs. Es wurden viele Typisierungsaktionen durchgeführt und da hat sich auch mir die Frage gestellt, warum lasse ich mich nicht einfach als Stammzellspender registrieren und kann dann vielleicht einem anderen Menschen helfen – vielleicht sogar der kleinen Lynn.

 

Natürlich kommt einem als Erstes das Wort Knochenmarkspende in den Sinn, verbunden mit Schmerzen und Unannehmlichkeiten. Ich habe mich aber informiert und festgestellt, dass mittlerweile in den meisten Fällen nicht Knochenmark, sondern Stammzellen aus dem Blut gespendet werden. So entschloss ich mich, bei einem Typisierungstermin für Lynn in meiner Stadt potenzieller Stammzellspender zu werden. Die Resonanz bei der Aktion war riesig. Von Jung bis Alt kamen die Leute, um sich registrieren zu lassen.

 

Wie lief die Registrierung ab? Man füllt einen Fragebogen zu seiner Person aus und dann folgt die eigentliche Typisierung. Ich dachte, was werden die da mit mir machen? Doch dann wurden nur zwei Wattestäbchen aus der Packung genommen. Mit dem ersten hab ich meine linke Wangeninnenseite quasi gestreichelt und immer hin und her bewegt. Mit dem Zweiten dann das Gleiche auf der rechten Wangeninnenseite und das war’s! Nichts weiter. Wangenschleimhautabstrich nennt man das. Ich war selbst überrascht, wie schnell und einfach das geht. Ohne Nadel oder Bluttropfen - nur etwas Speichel abgeben und daraus können dann die Gewebemerkmale, die mit denen von Leukämiepatienten abgeglichen werden, ausgewertet werden. Innerhalb von 10 Minuten war die Sache erledigt. Man kann sich den Test auch kostenfrei nach Hause schicken lassen. Dafür braucht man sich nur kurz telefonisch oder online beim VKS melden.

 

Ich war somit ab dem 3. April offiziell als Stammzellenspender registriert. Ich habe auch einen kleinen Ausweis mit dazugehöriger Spendernummer bekommen und dachte mir noch so: „Ja, vielleicht braucht mal irgendwann, irgendjemand, irgendwo meine Stammzellen, aber das passiert am Ende doch eh nur bei 5 bis 10 Prozent aller Typisierten.“ Aus dem irgendwann wurde zu meiner Überraschung schon der August – nur vier Monate nach der Typisierung! Ich habe absolut nicht damit gerechnet, dass ich wirklich so schnell für einen Leukämiepatienten spenden darf! Ich war im Kreise der möglichen Kandidaten und musste, damit die Ärzte sich ganz sicher sein konnten, nur noch ein paar Röhrchen Blut abgeben. Das hat mein Hausarzt erledigt. Besonders spannend bei der Sache war, dass vor der Praxis bereits ein Kurierfahrer auf mein Blut gewartet hat – das habe ich im Nachgang erfahren. Das war so ein Wow-Effekt – hier geht’s um viel mehr als nur um zwei Röhrchen Blut! Hier kämpfen viele Leute gemeinsam um die mögliche Rettung eines Menschen.

 

Am 5. September kam dann ein Brief vom VKS, dass meine Gewebemerkmale wirklich passen und ich als Stammzellspender reserviert werde. Nur kurze Zeit später kam wieder ein Anruf vom Verein für Knochenmark- und Stammzellspenden mit der Bitte, mich nun als aktiver Spender zur Verfügung zu stellen. Ich habe gleich „JA!“ gesagt.

 

Nächster Schritt: Voruntersuchung. Ich musste also nach Dresden ins Uniklinikum, um dort im wahrsten Sinne des Wortes auf Herz und Nieren durchgecheckt zu werden. Das war dann Mitte Oktober. Man ist in den ganzen Wochen intensiv mit dem VKS in Verbindung. Wenn Fragen aufkommen, ruft man einfach an oder schreibt eine E-Mail. Am Tag der Voruntersuchung hat mich auch jemand vom VKS in die Uniklinik begleitet, denn es ist ja doch ein recht großes Gelände, vor allem wenn man das erste Mal dort ist. Die Betreuung war wirklich perfekt.

 

Was wurde bei der Voruntersuchung gemacht? Ich wurde ein letztes Mal Blut abgeben. Die Schilddrüse wurde untersucht und die inneren Organe wie Milz, Niere, Leber, Herz. Ans EKG ging‘s auch. Im Grunde war das ein Check meines Körpers, den man so ja auch nicht jeden Tag hat. Um die Wartezeit zwischen den verschiedenen Abteilungen zu verkürzen, gab es noch einen Fragebogen bezüglich des eigenen Gesundheitszustands zum Ausfüllen. Außerdem erhielt ich nochmal alle Infos zum Thema Stammzellenspende. Danach ging‘s zur Auswertung zum Arzt, der mich auch nochmal persönlich über den Verlauf der Spende aufklärte. An dieser Stelle trifft man auch erst die endgültige Entscheidung, ob man wirklich Stammzellen spenden möchte.

 

Mit Medikamenten und viel Zubehör für die Mobilisierung der Stammzellen im Blut machte ich mich danach auf den Heimweg. Wenn man an diesem Punkt ist, wird‘s ernst. Denn nicht nur man selbst wird mithilfe der Medikamente bereit zur Spende gemacht, sondern auch der Leukämiepatient wird nun für die lebensrettenden Stammzellen vorbereitet. Für sie oder ihn ist es ja an dieser Stelle die letzte Chance auf Heilung. Ich habe mir dann immer die Frage gestellt, wie sich der Patient irgendwo auf der Welt wohlfühlen muss, mit der Aussicht geheilt zu werden.

 

Wie wirkt eigentlich das Medikament zur Mobilisierung der Stammzellen in meinem Körper? Normalerweise befinden sich die Stammzellen im Knochenmark. Durch das Medikament vermehren sich diese Zellen und wandern ins Blut. Dort können sie später herausgefiltert werden. Zu möglichen Nebenwirkungen, die sich durch grippeähnliche Gliederschmerzen äußern können, wurde man ausführlich aufgeklärt. Davor sollte also keiner Angst haben, denn man nimmt die Medikamente nur fünf Tage lang. Zwei kleine Spritzen muss man am Tag ertragen. Man kann sich selbst spritzen oder der VKS organisiert einen Pflegedienst. Danach lebt man sein Leben weiter und hat möglicherweise ein anderes Leben gerettet. Denn wenn man die möglichen Nebenwirkungen mit dem Zustand des Patienten, um den es geht, vergleicht, kommt man zu dem Schluss: So schlimm wie Leukämie kann es nicht werden!

Kommentiere diesen Erlebnisbericht! - VKS-Hausregeln

Kommentiere diesen Eintrag! - VKS-Hausregeln

Top